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Leben ist Fragen!
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Alle meine Rezensionen ansehen Rezension bezieht sich auf: Tagebuch 1966-1971 (Bibliothek Suhrkamp) (Gebundene Ausgabe) Frischs zweites Tagebuch ist keine leichte Lektüre. Eher Denksport. Selbsthinterfragung macht einen wesentlichen Teil dieses Bandes aus, und der Leser ist herzlich eingeladen, das Seine beizusteuern; mit diversen Fragebögen und vier Selbstverhören liefert Frisch Blaupause und Vorbild zugleich.
Ein weiterer Komplex in diesem durchaus zerrissenen Werk (was schon dadurch deutlich wird, daß vier verschiedene Schriftarten verwendet werden) bildet die Zeitkritik - kein Wunder in der bewegten Ära, in der Frisch sein Tagebuch schrieb. Er kommentiert das Tagesgeschehen sehr subtil anhand von Zeitungsausschnitten und Fernsehsendungen (über Euthanasie in den USA, Studentenkrawalle in Zürich, Krieg in Israel und Vietnam), scheut sich aber oft nicht, seine eigene Hilflosigkeit angesichts der Probleme von Gewalt, Widerstand oder Armut zu bekennen. Kurze Betrachtungen anhand von eigenen Erlebnissen - immer wieder besuchen ihn rebellische Studenten, beschimpfen ihn Landsleute - runden diese Thematik ab. Die zahlreichen Reisen - Japan, Sowjetunion, Polen, Tschechoslowakei, immer wieder USA - geben ihm die Gelegenheit, sich aus nächster Nähe ein Bild vom Alltag in den beiden Machtblöcken zu machen.
Einige Prosaskizzen, die meist um den Themenbereich Alter, Sinnverlust und Tod kreisen, sind ebenfalls eingestreut. Es sind aber eben nur Skizzen, längst keine ausgearbeiteten Erzählungen, obwohl sie meist zu einem Ende kommen und innerhalb kürzester Zeit Charaktere darstellen.
Trotz seiner Uneinheitlichkeit ist Frischs TAGEBUCH 1966-1971 ein höchst lesenswertes Buch, vor allem aufgrund seiner schonungslosen Kritik sowohl an der Politik als auch an der Person des Autors selbst und wegen der großen gedanklichen Konzentration, die durchweg herrscht.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 26. Mai 2001 |